Kompostierungsanlage


Anlagenbeschreibung
Das Humus- und Erdenwerk befindet sich außenliegend zwischen Niddatal-Ilbenstadt und Altenstadt. Jährlich werden bis zu 29.500 t Bio- und Grünabfall aus dem Wetteraukreis in der Anlage verwertet. Das Einzugsgebiet umfasst den Wetteraukreis mit ca. 270.000 Einwohnern auf einer Fläche von ca. 1.100 km².

Aufbereitung des Bio- und Grünabfalls
Nachdem Bio- und Grünabfälle im Eingangsbereich des Humus- und Erdenwerks Ilbenstadt registriert und verwogen wurden, gelangen die Abfälle in die Anlieferungs- und Aufbereitungshalle. Dort werden sie – getrennt nach Bio- und Grünabfall - zunächst mit einem mobilen Shredder zerkleinert und anschließend mit einem Förderband an einem Metallabscheider vorbei zu einem Sternsieb geleitet. Das Sternsieb lockert den Abfall auf und separiert ihn in zwei Fraktionen: Feinmaterial von 0 bis 60 mm und Grobmaterial von > 60 mm. Das Grobmaterial wird anschließend einer weiteren Störstoffaussonderung zugeführt.

In der Anlieferungshalle wird Bio- und Grünabfall für die weitere Verwertung vorbehandelt.

Anaerob-thermophile Trockenvergärung
Das durch das Sieb hindurch gefallene Feinmaterial aus dem Bioabfall wird mit Hilfe eines Radladers in den Beschickungsbunker in der Vergärungshalle eingetragen. Von dort wird es kontinuierlich mit Schneckenförderern dem wärmeisolierten Fermenter zugeführt und über eine Stopfschnecke eingebracht. Der vollkommen luftdichte Fermenter ist mit einem Längs-Rührwerk ausgerüstet. Das langsam drehende Rührwerk bewirkt eine optimale Entgasung und Homogenisierung der Biomasse. Mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms wird die Animpfung des Eintragsmaterials mit rezirkulierendem Prozesswasser und die Beheizung des Fermenters mit Abwärme aus dem angrenzenden Blockheizkraftwerk (BHKW) gesteuert und ständig überwacht. Die Vergärung dauert 14 Tage bei einer Temperatur von ca. 55 °C.
Die Biomasse ist nach der Verweildauer im Fermenter hygienisch einwandfrei, d.h Pflanzensamen und Krankheitserreger sind zuverlässig abgetötet. Bevor der Gärrest weiter behandelt wird, entwässern zwei Schneckenpressen das organische Material. Die gewonnene Flüssigkeit enthält viele Mineral- und Nährstoffe und wird bis zur Vermarktung in einem Flüssigdüngerbehälter gespeichert. Das feste Gärgut wird mittels Radlader in zwei Konditionierungsboxen gegeben. Dort wird es für zwei bis drei Tage intensiv belüftet und mit Grünschnitt vermischt, um den weiteren organischen Abbau unter Sauerstoffzufuhr vorzubereiten.
Das durch die anaerobe (sauerstofffreie) Vergärung gewonnene Biogas wird laufend über einen Gaszähler erfasst. Das Biogas wird dem angrenzenden Blockheizkraftwerk zugeführt. Mit Hilfe eines Verbrennungsmotors wird hier aus dem Biogas Strom und Wärme gewonnen. Der erzeugte Strom wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Der Energiebedarf der Vergärungsanlage wird durch das BHKW bereitgestellt. Ein Teil der überschüssigen Wärme wird zur Beheizung und zur Warmwasserherstellung der Betriebsgebäude genutzt. Eine Intensivierung der Wärmenutzung ist angedacht. Ist das BHKW im Ausnahmefall nicht in Betrieb, wird das Biogas über eine Notfackel verbrannt.

Mit zwei Schneckenpressen wird das Gärgut aus dem Fermenter entwässert.

Intensivrotte
Die Biomasse wird nach der Konditionierung mit dem Radlader aufgenommen und in acht wärmeisolierte Rottetunnel eingetragen. Hier finden unter Sauerstoffzuführung weitere Zersetzungsprozesse innerhalb von zehn Tagen in der Intensivrotte statt. Die Belüftung und Bewässerung erfolgt computergesteuert je nach Rottefortschritt und Temperatur. Das Material erhitzt sich durch die Aktivität der Mikroorganismen nochmals auf ca. 65 °C. Nach der Verweildauer ist Kompost mit dem Reifegrad III bis IV entstanden. Dieser wird wieder mit dem Radlader aus den Tunneln ausgetragen und über ein Förderband der Nachreife zugeführt.
In den Rottetunnel werden Temperaturen bis etwa 65 °C erreicht.

Belüftung und Abluftreinigung
Die Aufbereitung, die Vergärung und die Intensivrotte erfolgen in einem geschlossenen System. Die gesamte Luft der Vergärungshalle wird abgesaugt und einem Biofilter zugeführt. Die Abluft der Aufbereitungshalle wird zur Belüftung des Materials in der Intensivrotte in den Rottetunneln genutzt und anschließend einem Biofilter zugeführt. Die gereinigte Abluft der Biofilter wird an die Umgebung abgegeben.

Im Biofilter wird die gesamte Abluft der Verarbeitungshallen gereinigt.

Nachreife und Feinaufbereitung
Im Anschluss an die Intensivrotte wird einerseits Frischkompost abgesiebt, der direkt für die landwirtschaftliche Verwertung zur Verfügung steht. Eine weitere Nachreife für Fertigkomposte (Rottegrad V), die für den Privatgarten und den Garten- und Landschaftsbau und für die eigene Erdenproduktion hergestellt werden, erfolgt unter einer überdachten Fläche in Dreiecksmieten. Diese Mieten werden mit einem speziellen mobilen Umsetzgerät ein- bis zweimal pro Woche durchmischt und belüftet. Nach ca. sechs bis acht Wochen entsteht dabei der Fertigkompost, der auf 12 mm abgesiebt und anschließend vermarktet wird. Die holzigen Siebreste werden einer thermischen Verwertung zugeführt.
Sowohl Frisch- als auch Fertigkompost sind mit dem Gütezeichen der „Gütegemeinschaft Kompost“ ausgezeichnet, der hohe, gleichbleibende und kontrollierte Qualität garantiert.

In der offenen Halle dauert es circa 6 bis 8 Wochen bis Frischkompost zu Fertigkompost wird.

Anlagendaten

Fläche der Anlage

30.000 m²

Durchsatzmenge

max. 29.500 Jahrestonnen

Durchsatz Vergärung

50-60 t/Tag (18.250 t/a)

Zerkleinerung Schnellläufer

Materialtrennung

Metalleabscheider
Sternsieb mit Siebschnitt 60 mm

Vergärung

1 Fermenter (1.600 m³)
Trockenvergärung (30 % TS)
Thermophile Vergärung (55 °C)

Stromerzeugung

Blockheizkraftwerk (625 kW elektr.)
4,5 Mio. kWh/a Strom
800.000 kWh/a Wärmeüberschuss

Rotte 8 Rottetunnel
15 m Länge x 3,6 m Breite x 4 m Höhe
Rottevolumen je Tunnel ca. 135 m³

Abluftbehandlung

Biofilter (Volumenbelastung ca. 70 m³ Abluft/ m³ Filtermaterial und h, Abluftstrom ca. 40.000 m³/h)

Photovoltaikanlage 800 m², 52 kWp

Anlagenschaubild